China / Online Marketing

Beauty-App Meitu: Niedlichkeit zum Nulltarif?

Zumindest in Deutschland hatte man vor Kurzem noch den Eindruck, dass Selfies gerade wieder “out” wären. Doch spätestens mit Meitu (Chinesisch: 美图, „schönes Foto“) hat sich das wieder geändert. Doch was viele nicht wissen: Die chinesische Beauty-App sammelt fleißig Daten und arbeitet gerade an der Entwicklung von zwei neuen E-Commerce-Plattformen.

453 Millionen aktive Nutzer, auf über einer Milliarde Mobilgeräten installiert und allein jeden Monat acht Milliarden hochgeladene Fotos. Die 2008 im südchinesischen Xiamen ins Leben gerufene App zählt in China seit Jahren zu den populärsten Downloads. In Deutschland dagegen stößt Meitu erst seit Kurzem auf das Interesse vor allem junger, weiblicher Nutzer.

Die zahlreichen Filter, durch die sich Gesichtskonturen weich zeichnen lassen, Augen größer und Nasen kleiner erscheinen lassen, erinnern entfernt an Instagram, jedoch sind die Möglichkeiten, die Meitu Nutzern bietet, wesentlich umfassender. Und in China zählen zu den Nutzern keineswegs nur pubertierende Jugendliche, sondern auch zahlreiche junge Geschäftsleute über 25.

Zugriff auf Kamera, GPS und Mobilfunknetz der Nutzer

Als Geschäftsmodell scheint Meitu für Investoren immer interessanter zu werden. Vorläufiger Höhepunkt: Der Börsengang des Unternehmens im Dezember 2016. Dazu passt auch gut ins Bild, dass die Foto-App
seit Kurzem noch aus einem ganz anderen Grund im Fokus steht. Sie soll massenweise Nutzerdaten abgreifen, weit mehr als für die Bearbeitung der Fotos unbedingt notwendig.

So fordert die App neben dem Zugriff auf die Kamera und den Speicher auch Informationen über das Gerät, über Anrufe, Netzwerkverbindungen und den Standort auf Basis von GPS und Mobilfunknetz. Einige lassen sich bei neueren Android-Versionen blockieren, bei anderen ist dies jedoch nicht ohne Weiteres möglich.

Ist etwas kostenlos, dann bist du nicht Kunde, sondern Ware

Ob Meitu es möglich ist, Daten deutscher Nutzer systematisch zu sammeln und auszuwerten, daran scheinen zumindest Zweifel angebracht. Eine schlecht programmierte und zusammengewürfelte Mischung verschiedener Werbe- und Analyse-Dienste, so die weit verbreitete Meinung in der Fachwelt. Für chinesische Nutzer sieht jedoch die Sache deutlich anders aus, da sich die App mit WeChat und mit der Suchmaschine Baidu verknüpft, um User-Verhalten zu analysieren.

Für nichtchinesische Nutzer von Bedeutung ist vor allem die Verknüpfung von Werbetrackern. Dabei steht Meitu jedoch nicht alleine da. Auch viele andere Anbieter kostenloser Apps machen davon immer exzessiver Gebrauch. Selfie-Freunden, die sich die App auf ihr Smartphone installieren, sollte deswegen bewusst sein: Ist etwas kostenlos, dann bist du nicht der Kunde, sondern die Ware.

Zwei neue E-Commerce-Plattformen für 2017 in Planung

Nicht nur bei Werbeagenturen, auch bei Vertreibern von Beauty-Produkten stößt Meitu zunehmend auf Interesse. Mit Meipu (美铺, „Schönheits-Shop“) und Meitudingzhi (美图定制, „Meitu Customization“) plant das Unternehmen zwei neue E-Commerce-Plattformen im Laufe dieses Jahres zu eröffnen.

Bei Meipu handelt es sich, wie das Internetportal Technode auf seiner chinesischen Seite berichtet, um eine virtuelle Shopping-Boutique und Online-Community nach dem B2B2C (business-to-business-to-consumer) Prinzip. KOLS, wie Models, Fashion-Blogger oder Weibo-Stars, sollen darin über ihre Erfahrungen im Umgang mit bestimmten Produkten berichten und Modetrends setzen.

Meitudingzhi soll es Nutzern ermöglichen, ihre Fotos auf Produkte wie beispielsweise auf T-Shirts und Smartphone-Hüllen zu drucken. Das neue Tool befindet sich derzeit in der Probephase und kann über die Meitu Selfie City app (潮自拍) aufgerufen werden. Im Gegensatz zu den anderen Anwendungen wie den Filtern, werden die beiden Plattformen zunächst nur chinesischsprachigen Nutzern zu Verfügung stehen.

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