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Welche Netzwerke helfen mir bei der Personalbeschaffung in China?

Wie finde ich als deutsches Unternehmen geeignete Mitarbeiter? Welche Bewerber halten sich in welchen Netzwerken auf? Welche Strategien sind zielführend, welches Vorgehen sollte ich besser vermeiden? Bei meinem Workshop in München war Personalbeschaffung eines der Top-Themen. Denn was die Rekrutierung von Mitarbeitern angeht, bestehen zwischen Deutschland und China nach wie vor gewaltige Unterschiede.

Wer chinesische Studierende nach ihren beruflichen Zielsetzungen fragt, bekommt häufig zu hören: „Mein Wunsch ist es, in der Firma meiner Eltern oder bei Freunden und Verwandten eine Anstellung zu bekommen.“ Tatsächlich wurde bis vor Kurzem noch ein Großteil der Mitarbeiter durch persönliche oder familiäre Kontakte rekrutiert – unabhängig von der fachlichen Qualifikation. Auch heute noch werden manche Mitarbeiter auf diese Weise gewonnen. Ein anderes Extrem ist die Auswahl von Akademikern. Es werden oft die besten Absolventen der besten Universitäten ausgewählt – ohne sie vorher zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen.

Doch durch den steigenden Innovationsdruck und den wachsenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften hat mittlerweile in vielen Unternehmen ein Umdenken eingesetzt. Viele Personalchefs und Bewerber nutzen heute eine der zahlreichen Plattformen zur Personalbeschaffung. Wer als ausländisches Unternehmen nach chinesischen Mitarbeiter sucht, für den empfehlen sich eine Reihe von sozialen Netzwerken und Apps – abhängig von der jeweiligen Zielsetzung.

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Ein Großteil der Mitarbeiter wird nach wie vor über klassische job hunting sites (找工作的网站), wie 51job.com, Liepin oder Zhaopin, rekrutiert. Ungelernte Bewerber und Service-Kräfte nutzen meist classified websites (分类网站), wie Ganji, Locanto oder 58job.com. Qualifizierte Fachkräfte greifen oft auf professional networks (专业的网络), wie LinkedIn, MaiMai oder Chitu, zurück.

Millionen an Chinesen auf Online-Jobbörsen aktiv

Online-Jobbörsen oder job hunting sites erfreuen sich seit Jahren eines wachsenden Zuspruchs. Mit 40 Millionen registrierten Nutzern und Hunderttausenden an Arbeitgebern ist 51job.com eine der populärsten Plattformen für Arbeitssuchende in China. Zu den über 1000 Mitarbeitern von 51Job.com zählen Consultants, Marketing-Spezialisten und Projektleiter. Das Unternehmen verfügt über 26 Büros in Mainland China sowie eine Anlaufstelle in Hong Kong.

Liepin, ChinaHR und Zhaopin sind Online-Jobbörsen, die sich an Fach- und Führungskräfte richten: Davon bedient vor allem Liepin die höhere und mittlere Ebene, während sich ChinaHR und Zhaopin an Fachkräften aus allen Ebenen richten. Obwohl einige der Online-Jobbörsen aus China, wie z. B. 51job.com, Teile ihrer Webseiten ins Englische übersetzt haben, richten sich die dort gelisteten Angebote fast ausschließlich an Chinesen.

LinkedIn und Xing spielen nur sehr begrenzte Rolle

Professionelle Netzwerke finden in China weit weniger Zuspruch als im Westen. Vereinzelte ausländische Netzwerke, wie LinkedIn, und einige chinesische Netzwerke, wie MaiMai, sind gerade dabei, sich zu etablieren. LinkedIn ist das mit Abstand populärste professional network. Und dennoch: Mit 13 Millionen Nutzern (Stand: Februar 2016) sind es kaum mehr als zwei Prozent aller chinesischer Internetnutzer, die über einen Account verfügen. Bei den Nutzern handelt es sich fast ausschließlich um englischsprachige Fachkräfte aus first und second tier cities. Obwohl Xing schon seit einiger Zeit über ein chinesisches Interface verfügt, ist die Zahl der darauf vertretenen chinesischen Unternehmen und Bewerber noch wesentlich geringer.

Auch WeChat hilft mittlerweile vielen Unternehmen bei der Personalbeschaffung. Die BASF richtet sich beispielsweise mit ihrem Service-Account direkt an Uni-Absolventen. Darauf stellt das Unternehmen die unterschiedlichen Geschäftsbereiche vor und zeigt, wie sich Studierende um Praktika und feste Stellen bewerben können. Gleichzeitig nutzt die BASF WeChat auch dazu, Follower als Markenbotschafter zu engagieren und sorgt dafür, dass möglichst viele Internetnutzer von den Stellenausschreibungen erfahren.

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Anzeige für eine Arbeitsstelle im Medienbereich. Standort Chengdu. Quelle: 51job.com

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3 Comments

  1. Interessanter Artikel, der einen guten Überblick über die Möglichkeiten zur Personalbeschaffung in China gibt. Plattformen wie 51job und Liepin sind durchaus nützliche Job Portale zur Suche von Fach- und Führungskräften in China. Leider werden durch diese Positing jedoch nur aktive Kandidaten angesprochen und die Qualität der Bewerbungen entspricht nur selten den Erwartungen ausländischer Unternehmen. Für eine zielgerichtete Such nach Führungskräfte ist es daher empfehlenswert mit einem qualifizierten Personalberater vor Ort zusammen zu arbeiten.

    • Stephan Mayer says:

      Vielen herzlichen Dank für Ihr Lob!

      “leider werden durch diese Positing jedoch nur aktive Kandidaten angesprochen und die Qualität der Bewerbungen entspricht nur selten den Erwartungen ausländischer Unternehmen.”

      Ich gebe Ihnen völlig recht. Um Recruitment erfolgreich zu betreiben, ist man auf einen geeigneten Partner vor Ort in China angewiesen. Haben Sie bereits praktische Erfahrungen bei der Personalbeschaffung via Liepin und 51job.com gesammelt? Wenn ja, wie sehen diese Erfahrungen aus?

  2. Besten Dank für Ihre Rückmeldung!
    Da wir in China im Bereich Executive Search tätig sind, kommen bei uns klassische Stellenanzeigen zur Personalbeschaffung selten zum Einsatz.
    Liepin, 51job und Zhaopin sind jedoch durchaus geeignet um lokale Fachkräfte zu finden. Aus meiner Erfahrung ist die Qualität der Kandidaten bei Liepin grundsätzlich etwas höher, während sich 51job und Zhaopin eher für volumenbasiertes Recruiting anbieten.
    Bei diesen beiden Portalen hat man jedoch oft den Eindruck, dass sich viele Kandidaten nicht ausreichend mit dem Anforderungsprofil vertraut machen und es daher sehr zeitintensiv ist aus der Masse an Bewerbungen einige wenige qualifizierte Profile herauszufiltern. Zudem benötigt man für alle drei Jobportale eine gültige chinesische Business Lizenz und qualifiziertes chinesisches Personal vor Ort, da die Webseiten bisher noch nicht auf Englisch zur Verfügung stehen. Daher ist es für ausländische Unternehmen insbesondere in der Anfangsphase in China schwierig das Potential dieser Netzwerke ausschöpfen zu können.

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