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„Socialize, don’t advertise“: Nachlese zum 6. Sino-German Communication Forum

Knapp vierzig Experten – ein Großteil davon aus Kommunikationsagenturen und in China ansässigen Unternehmen – trafen sich am 19. Oktober 2016 zum 6. Sino-German Communication Forum in Shanghai. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie sich soziale Netzwerke am besten für die firmeneigene PR-Strategie nutzen lassen.

Bei der vierstündigen Veranstaltung im German Center waren unter anderem Gao Xin, Managing Partner von Asia Solution, Dr. Yibin Li, Director des EMBA Center der Tongji-Universität sowie Grace Li, Director of Communications von Greater China (Evonik Industries), anwesend. Austragungsort was das Shanghai German Center im Stadtteil Pudong.

Vor allem eines verdeutlicht die vierstündige Veranstaltung: Wer von digitaler Kommunikation in China spricht, muss zwangsläufig auf WeChat zu sprechen kommen. Gao Xin, Managing Partner von Asia Solution Corporation, nennt eindrucksvolle Zahlen: 70% aller WeChat-Nutzer verfügen über eine Wallet und bezahlen damit Rechnungen von mindestens 100 RMB oder mehr pro Monat, 61% der User öffnet die App mindestens zehn Mal pro Tag. Etwa 28% der Nutzer verfügt über mindestens 200 Freunde – mehr als doppelt so viel wie noch 2015.

200 Millionen User verknüpfen ihren WeChat-Account mit LinkedIn

Zehn Millionen offizielle WeChat-Accounts und über 200 Millionen User, die ihren Account mit LinkedIn verknüpft haben, verdeutlichen die Bedeutung der Mobile App für Unternehmen, die in China investieren möchten. „Ob Großunternehmen oder Familienbetrieb: WeChat ist mittlerweile in alle Geschäftsbereiche vorgedrungen.“

Für Unternehmen, die über WeChat Follower gewinnen wollen, gibt Gao Xin folgende Handlungsempfehlungen: Passenden Content auswählen, der die Fangemeinde anspricht, nicht zu viel Content posten und darauf Wert legen, dass Fans zu bestimmten Zeiten bevorzugt ihr WeChat öffnen, z. B. beim Aufstehen, in der Mittagspause oder nach Feierabend. Als Content-Writer sollte man sich intensiv mit den Vorlieben der Follower beschäftigen und sich an deren Stil orientieren, glaubt Gao Xin.

Auch Yibin Li von der Shanghaier Tongji-Universität verwies auf die Bedeutung von passendem Content: Sein Vortrag stand unter dem Motto „Socialize, not advertize“. Auch Yibin Li hält es für zwingend notwendig, erfahrene Texter mit dem Verfassen von Inhalten auf WeChat zu beauftragen. „Als Unternehmen sollte man, wenn möglich, outsourcen“, glaubt der Shanghaier Professor. Dabei sollte man die verschiedenen Stakeholder ins Auge fassen. Seine eigenen Stakeholder, die des EMBA-Programms der Tongji-Universität, gruppiert Yibin Li in „Teilnehmer“, „künftige Studierende“, „Mitarbeiter“ und „Alumni“.

Einbeziehung von KOLs auch für B2B-Unternehmen von Bedeutung

Über Weibo und WeChat aufklären und informieren hat für Grace Li, Director of Communications von Greater China (Evonik Industries), oberste Priorität. Li geht es vor allem darum, zu zeigen, welche Chancen und Möglichkeiten sich durch die Verwendung von durch Evonik produzierte Materialien ergeben.

Besonderen Wert legt Evonik dabei auf die Einbeziehung von KOLs, die dabei helfen, die Öffentlichkeit auf das Unternehmen aufmerksam zu machen. Für wichtig hält die Managerin auch die Art und Weise wie Inhalte präsentiert werden, z. B. über White Papers, Comics oder Talkshows.

Einiges hat sich geändert im Vergleich zu meinem letzten Sino-German Communication Forum im Jahr 2012, über das hier bereits berichtet wurde: WeChat, nicht Sina Weibo, ist mittlerweile Kommunikationsplattform Nummer eins. User interagieren in weitaus stärkerem Maß mit Unternehmen und hochwertiger Content spielt eine noch wichtigere Rolle. Doch B2C und B2B stehen immer noch vor sehr ähnlichen Fragen: Wie ermittle ich meine Zielgruppe? Wie kommuniziere ich am besten mit Kunden?

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Kaffeepause beim Sino-German Communication Forum. Stephan Mayer sitzend im linken Bildrand. Foto: AHK China

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