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Umkreissuche mit Momo: Wie die Mobile-App WeChat, nur effizienter

Wenn es um Partnersuche in China geht, dann fällt seit einiger Zeit immer wieder ein Begriff: Momo. Die populäre Dating-App schlägt seit Monaten alle Rekorde. Während sich viele junge Chinesen bisher weitgehend auf klassische Suchportale verlassen mussten, so gibt ihnen die Mobile-App, dank Umkreissuche, neue Möglichkeiten bei der Partnerwahl. Was die Zahl der Downloads angeht, knackte Momo vor einigen Wochen die 150-Millionen-Marke.

Was Online-Dating angeht, so ist Momo (Chinesisch: 陌陌; Pinyin: mò mò) derzeit in aller Munde. Erst Mitte vergangener Woche präsentierte das Pekinger Unternehmen mit Zweigstelle in San Francisco die fünfte Version der Mobile-App. Neu ist dabei vor allem ein Ranking-System, das Nutzer gemäß ihrer Zuverlässigkeit kategorisiert: Von „extrem unzuverlässig“ bis „zuverlässig“. Zuverlässigkeit heißt dabei für Momo vor allem Aktivität. Wer die App häufiger nutzt, kann zusätzliche Service-Angebote kostenfrei nutzen. Alle anderen User erhalten durch ein entsprechendes Entgelt die Möglichkeit, VIP-Dienstleistungen, wie zusätzliche Emoticons, anzufordern. Über Display-Ads können sich Werbetreibende auf Momo seit 2013 an Kunden wenden.

Zunätzlich verfügt Momo über eine eigene Mobile Gaming Plattform. Damit macht sich der App-Developer das Business-Konzept anderer Anbieter, wie zum Beispiel Tencent (QQ), zu eigen. Ähnlich wie bei Weixin besteht die Möglichkeit, andere User via Umkreissuche zu ermitteln. Mittels kurzer Statements können Smartphone-Nutzer die Aufmerksamkeit auf sich lenken und darüber hinaus zeigen, in welchen weiteren sozialen Netzwerken sie aktiv sind.

Schnelles Date oder „Bund fürs Leben“?

Der App-Developer verweist gerne auf Fälle, in denen junge Menschen aufgrund von Momo den „Bund fürs Leben“ geschlossen haben. Social Media-Experte Steven Millward glaubt jedoch, dass eine nicht unerhebliche Zahl der User auf der Suche nach umkomplizierten Bekanntschaften ist. Gerade die hocheffizienten Tools zur Umkreissuche ermöglichen es Singles aus Städten wie Shanghai und Peking schnell und ohne langfristige Hintergedanken miteinander in Kontakt zu kommen. Dem Ruf als Netzwerk für schnelle Dates versuchen die Betreiber seit kurzem durch eine Marketing-Kampagne entgegenzuwirken. „Wir setzen alles daran, beleidigende und herabwürdigende Kommentare herauszufiltern und Fake-Profile zu löschen“, so Momos Geschäftsführer Tang Yan, der sich die App als Plattform für langfristige Bindungen wünscht.

Erfolgreich in China, in Übersee bisher noch chancenlos

Ungeachtet des Erfolgs in China kämpfte Momo bisher vergeblich um Marktanteile in Übersee. Nach über eineinhalb Jahren entschloss sich der App-Developer jetzt zu einer vorläufigen Schließung der englischsprachigen Schwester-Plattform. Endgültig abgeschrieben habe man die internationalen User noch nicht. Vielmehr plane man für die kommenden Monate einen Relaunch der englischsprachigen Seite unter neuen Vorzeichen, so der App-Developer in einer von der South China Morning Post veröffentlichten Mitteilung. „Momos Probleme sind vergleichbar mit denen anderer chinesischer Netzwerke: In China erfolgreich, im Ausland weitgehend chancenlos“, so Jon Russell von der Agentur TheNextWeb. Auch die Nutzer von Weixin, Chinas bislang erfolgreichster Mobile App, stammen zu über 70 Prozent aus dem Reich der Mitte – und das trotz einer Reihe von innovativen Features, die das Netzwerk Konkurrenten, wie WhatsApp, überlegen macht.

Thumbnail und Bild oben rechts: Momo Corporate Site (English version)

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9 Comments

  1. Wie immer sehr lesenswert – vielen Dank, dass du uns auf dem Laufenden hälst! Momo weckt natürlich in Deutschland Assoziationen an die Zeitdiebe;)

  2. Ich frag mich, wann diese App hier in Deutschland einzug erhält 😉 Bis jetzt ist ja wohl Tinder die unangefochtene Nummer 1.
    Klasse Blog btw

    Gruß
    Ken

    • Stephan Mayer says:

      Tinder kannte ich bisher noch nicht. Vielleicht lohnt sich ja nächstes Mal für mich ein Beitrag über dieses soziale Netzwerk 🙂

  3. Hi Stephan,

    ich habe bei mir selber Momo installiert. Leider gibt es für Android keine englische Version (für iPhone angeblich schon), womit natürlich der Nutzen der App für Leute, die nicht gut Chinesisch Lesen können, ziemlich eingeschränkt ist.

    Bei Momo habe ich auch in der Schweiz jeden Tag eine Anfrage von jemandem aus China bekommen. Meistens mit dem Hinweis auf das Wechat-Profil und oft auch mit Werbe/Spam-Links für “gelbe” Dienstleistungen.

    Der gravierendste Schwachpunkt bei Momo sind vermutlich die Privacy-Settings. Unter dem Vorbehalt, dass ich auf grund meiner eingeschänkten Sprachkenntnisse irgendwelche Funktionalitäten übersehen habe, zeigt es bei mir automatisch den relativen Standort von all meinen Kontakten im Adressbuch an, welche Momo ebenfalls installiert haben.

    Das heisst im Extremfall: Wenn ich meine Exfreundin stalken wollte, muss ich einfach ihre Handynummer speichern und kann mich mit etwas Geduld auf die Suche nach ihr machen: Solange ich mich in die richtige Richtung bewege sinken die Kilometerzahlen, wenn nicht steigen sie. Das finde ich nicht unbedingt ideal.

    Gruss,
    Oli

    • Stephan Mayer says:

      Ich benutze selbst ein Nokia-Smartphone und habe mich sehr gewundert, dass ich Momo bei mir im App-Store gefunden habe, obwohl die App (laut Website http://www.immomo.com/) nur für iPhone und Android verfügbar sein soll. Das mit den Privacy-Settings finde ich in der Tat auch bedenklich. Und da unterscheidet sich doch Momo ziemlich von WeChat, wo man festlegen kann, dass man nicht gefunden werden möchte. Ich werde demnächst mal meine chinesischen Bekannten fragen, ob man sich tatsächlich nicht “unsichtbar” machen kann. Woher hast du die Info, dass für iPhone derzeit eine englischsprachige Version existiert? So viel ich weiß, wurde die englischsprachige Version am 1. Juli 2014 deaktiviert.

  4. Du hast recht. Das mit der englischen Version war veraltetes Wissen…

  5. Pingback: Social Media Blog: Alles über Online Brand Intelligence

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