Deutschland / Online Marketing

Auctionata, eMio, Gusti Leder: Drei Startups mischen den Markt auf

Wenn es um innovative deutsche Startup-Unternehmen geht, so machen derzeit vor allem drei Namen die Runde: Auctionata, eine mittlerweile international agierende Online-Auktionsplattform, das E-Roller-Startup eMio und Gusti Leder, ein Unternehmen aus Rostock, das qualitativ hochwertige Lederwaren vertreibt.

Deutschlands erfolgreichstes Startup? Unter Branchenkennern fiel über Jahre hinweg immer wieder ein Name: Auctionata. Dabei handelt es sich um eine Online-Auktionsplattform, bei der Luxusobjekte, Antiquitäten und Sammlerstücke live und online versteigert werden. Während der Auktion werden die Versteigerungsobjekte in einer Studiosituation abgefilmt, wodurch sich Bieter ein umfangreiches Bild machen können.

Rasantes Wachstum und zunehmende Kritik

Bereits zwei Jahre nach Gründung hatte das Berliner Startup-Unternehmen über 300 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 31,5 Millionen Euro. Maßgeblich zum Anfangserfolg trugen Großinvestoren wie die Holtzbrinck-Verlagsgruppe und die Otto Group bei. Schnell fanden sich weitere Finanziers wie das Venture-Capital-Unternehmen Earlybird.

Seitdem Auctionata im September 2012 online abrufbar ist, steht die Plattform in der Kritik. Zum einen gibt es Beschwerden, das von den Betreibern selbst entwickelte Online-Auktionssystem habe immer noch eklatante Mängel, zum anderen behaupten Branchenexperten, dass wiederholt gefälschte Gemälde über die Plattform versteigert wurden. Besonders schwer wiegt ein Vorwurf gegenüber den Betreibern: KPMG ging im April 2016 mit der Behauptung an die Öffentlichkeit, Mitarbeiter hätten über Jahre hinweg bei den Auktionen mitgeboten und dadurch die Preise künstlich in die Höhe getrieben.

Laut einem Bericht des Digital-Magazins t3n plant man bei Auctionata aufgrund der sich verschlechternden Geschäftslage in den kommenden Monaten einen deutlichen Stellenabbau. Davon betroffen seien sowohl die Zentrale in Berlin wie auch die Zweigstelle in New York. Etablierte Auktionshäuser, wie Christie’s oder Sotheby’s, die zunehmend auch digital aktiv werden, machen dem Berliner Startup seit einiger Zeit immer stärker zu schaffen.

E-Roller für Großstädter: 6000 Berliner nutzen bereits den Service

Wer mit dem Auto in Berlin unterwegs ist, für den ist oft mehr Warten als Fahren angesagt. Viele Berliner nutzen daher lieber den öffentlichen Nahverkehr, eine große Zahl an Hauptstädtern auch das Fahrrad. Wer allerdings nach einem langen Arbeitstag oder einer langen Nacht zu müde zum Fahrradfahren ist und keine Lust auf Bus und Bahn hat, kann jetzt einen neuen Service nutzen: eMio.

Scooter orten, buchen, Helm auf und los geht’s – so sollen es bereits rund 6.000 Berliner machen, die sich bei eMio registriert haben. Die von dem Startup-Unternehmen entwickelte App zeigt auf einer Karte an, wo der nächste freie Roller steht. Ein E-Roller lässt sich für 15 Minuten kostenlos reservieren. Die Abrechnung beginnt, wenn man beim das Helm-Case per App öffnet.

Kein Schalten, kein Kuppeln, kein Krach und kein Gestank: Mit seinen 200 über das Berliner Innenstadtgebiet verteilten Rollern stößt eMio vor allem bei umweltbewussten Berlinern auf großes Interesse. Auch der Preis von 45 Cent pro Kilometer oder 19 Cent pro Minute ist für viele Nutzer attraktiv. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht. Ausländische Startups wie Scoot Networks aus den USA und Motit aus Spanien spielen mit dem Gedanken, nach Deutschland zu expandieren.

Facebook-Fans werden zu Produktentwicklern

Eine teure Abteilung zur Entwicklung neuer Ideen? Gusti Leder, ein Startup, das Lederwaren vertreibt, glaubt, dass es effizientere Möglichkeiten gibt, herauszufinden, welche Produkte bei Kunden auf besonderes Interesse stoßen. Hierfür wendet sich das Rostocker Unternehmen direkt an die Social-Media-Community und fragt in kurzen Facebook-Videos: Was gefällt euch an unserer neuen Tasche? Was können wir noch besser machen?

So viel Offenheit kommt bei der Facebook- und Pinterest-Community gut an. Die Zahl der Likes und Shares auf Facebook- und Pinterest verdeutlicht das gewaltige Interesse der Social-Media-Nutzer, künftige Produkte selbst mitzugestalten. Unternehmensgründer Christian Pietsch ist sich sicher: Aufgrund der wachsenden Zahl an Vegetariern und Veganern ist Leder heutzutage „ein Streitfall und eine Gewissensfrage“. Die Idee, offen zu kommunizieren, kommt bei den Nutzern sozialer Netzwerke gut an.

Auch die Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern der Lederwaren liegen Christian Pietsch am Herzen: Auch wenn es bei der Vielzahl der Zulieferern keine hundertprozentige Sicherheit gibt: „Ich fahre im Jahr ein- bis zweimal selbst in die Erzeugerländer, um mir ein Bild von den Produktionsbedingungen zu machen.“ Ein veritabler Shitstorm, wie ihn derzeit so viele Unternehmen erleben, konnte durch die offene Art der Kommunikation bisher vermieden werden.

Fazit: Bei deutschen Startups gibt es viel Licht und Schatten

Auctionata, eMio und Gusti Leder zeigen einerseits: Das Interesse der Konsumenten an neuen Ideen ist gewaltig. Nicht jeder hat die Zeit zu Auktionen in einen anderen Teil der Welt zu reisen, was sich Auctionata zunutze macht und viele Konsumenten haben ein Interesse an Lederwaren, die ohne chemische Zusatzstoffe gegerbt wurden.

Mit innovativen Konzepten mischen die drei Startups etablierte Geschäftsbereiche auf. Allerdings: Nicht jedes Startup schafft es offen und transparent zu kommunizieren und einige, wie das Online-Auktionshaus Auctionata geraten aufgrund unlauterer Geschäftsmethoden zunehmend in die Kritik.

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