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Kazim Akboga: Wie die BVG-Werbung zum viralen Hit wurde

Halb Deutschland begeisterte sich Ende Dezember für ein neues Werbevideo der Berliner Verkehrsbetriebe. Denn mit „Is mir egal“, dem viralen Hit von Kazim Akboga, gibt sich die als sonst eher uncool geltende BVG ein neues, lässiges Image.

Der Berliner Rapper mit türkischen Wurzeln spielt darin den toleranten Fahrkartenkontrolleur und Busfahrer, der selbst an zwiebelschneidenden Frauen und Fahrgästen mit Pferd nicht verzweifelt – auch wenn es eigentlich den Beförderungsbedingungen in Berlins Bussen und Bahnen zuwider läuft.

Ob via YouTube, Vimeo oder YouKu: Praktisch jeder, der ein Video auf einer Social-Media-Plattform veröffentlicht, wünscht sich, dass dieses eine möglichst große Anzahl an Internetnutzern erreicht. Doch nur wenige schaffen es, wie Akboga, binnen Stunden zum trending topic auf Twitter zu werden und hunderte Likes auf Facebook einzusammeln.

Wer den neuen BVG-Clip sieht, mag sich an andere virale Videos, wie die Edeka-Werbung „Supergeil“ und den Anfang 2015 veröffentlichten Spot „Weil wir dich lieben“ erinnert fühlen. Dabei zeigt sich: YouTube-Videos als Werbemaßnahme werden immer beliebter, da das Setup von Accounts kostenlos ist und mit geringeren Budgets als Werbeschaltungen im TV auskommen.

Bewegtbilder, die freiwillig aufgesucht werden, haben ein wesentlich besseres Penetrationspotential als die Bewegtbilder, die in Werbeeinblendungen bei Fernsehsendungen oder im Kino präsentiert werden. Andererseits sind YouTube-Videos kein Selbstläufer und virale Erfolge nur möglich, wenn Clips über ansprechende Inhalte verfügen und strategisch mittels einer guten Seeding-Strategie an der richtigen Stelle im Netz veröffentlicht werden.

Der Shitstorm war von Anfang an eingeplant

Sowohl „Is mir egal“ als auch „Weil wir dich lieben“ zeigen: Virale Video-Werbung sollte Zuschauer nicht nur begeistern, sondern zu einem gewissen Maß auch provozieren. Als die BVG YouTube-Nutzer dazu aufrief zu berichten, was ihnen am ÖPNV gefällt, war man sich von Anfang an klar, dass ein Großteil der Fahrgäste nicht nur Positives über Berlins Busse und Bahnen zu berichten wusste: Beiträge über nervende Busfahrer, verpasste Anschlüsse und überfüllte S-Bahnen.

Den Shitstorm habe man bei den Berliner Verkehrsbetrieben „selbstverständlich eingeplant“, so BVG-Sprecherin Petra Reetz: „Wenn Sie in Berlin jemanden fragen: ,Bin ich schön?‘, dann antwortet der Ihnen: ,Nee, biste nicht.‘“

Auch auf den Spot mit Kazim Akboga folgten teilweise bissige Kommentare auf Spiegel Online, YouTube und Twitter. Der Großteil der Internetnutzer nahm das Video jedoch positiv auf: „Ich finde den Spot wirklich gelungen. Er hat mich unweigerlich dazu gebracht zu lächeln“, schreibt Spiegelleserin s.juliane02. Und Tobi1983 mutmaßt auf YouTube: „Wenn ich Fahrkartenkontrolleur wäre, würde ich das die ganze Zeit hören.“

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