Deutschland / Online Marketing

Wie ein Startup aus Rostock die Facebook-Community in Atem versetzt

Soziale Netzwerke, um sich das Feedback von Kunden einzuholen? Machen mittlerweile viele deutsche Unternehmen. Doch kaum eines ist dabei so erfolgreich, wie Gusti Leder.

Das Startup aus Rostock arbeitet seit Juni 2015 eng mit der Fan-Community zusammen, um seine Produkte konstant weiterzuentwickeln. Innerhalb 15-sekündiger Kurzclips präsentieren Mitarbeiter ein Produkt auf Facebook und fragen User nach deren Meinung. Durch rasant wachsende Fanzahlen und steigende Page Views sehen sich die Startup-Unternehmer bestätigt.

Was können wir besser machen? Soll die Tasche große oder kleine Schlaufen haben? Und: Unter welchen Umständen seid ihr bereit, unser Produkt zu kaufen? Fragen, die jetzt Mitarbeiter von Gusti Leder Facebook-Fans stellen. Das Feedback der Community ist für das Unternehmen essentiell wichtig, denn die Rostocker verdienen über 95 Prozent mit dem Online-Versand. „Viele KundInnen machen mit und helfen uns, die Produkte zu verbessern, was man an der hohen Kommentar- und Like-Zahl erkennen kann. Wir bekommen dadurch ein genaues Bild von unseren Produkten und es hilft, KundInnenmeinungen zu sammeln“, so Inhaber Christian Pietsch. Neben Facebook nutzen die Startup-Unternehmer auch Instagram, Pinterest, Snapchat, Twitter und YouTube, um Konsumenten anzusprechen.

Snapchat und Instagram für die Millennials, Pinterest als Do-it-Yourself-Portal

Die Hauptzielgruppe des Unternehmens sind Frauen im Alter zwischen 25 und 35, die über ein mittleres Einkommen verfügen. Die Generation 25+ nutzt eher Facebook und Twitter. Die Millennials sind verstärkt auf Instagram und Snapchat aktiv. Pinterest wird vor allem von Usern genutzt, die sich inspirieren lassen möchten, ob zu Rezepten, Innendesign oder Mode. Mit weiterführenden Tipps und Anleitungen fungiert Gusti Leder hier als eine Art Kreativ-Werkstatt und Do-it-Yourself-Portal. Durch die unterschiedlichen Social-Media-Kanäle gelingt es, verschiedene Gruppen an Konsumenten anzusprechen

Um neue Mitarbeiter zu akquirieren, setzt Gusti Leder auf Facebook und Kununu. Auf Facebook haben die Startup-Unternehmer eine neue Seite geschaffen, auf der Stellenausschreibungen veröffentlicht werden und versucht wird, die besondere Team-Atmosphäre zum Ausdruck zu bringen. Auf Kununu gibt es ein Arbeitgeberprofil, das Interessierten nähere Infos zum Unternehmen liefert.

Für Gusti Leder sind Kunden die besten Experten

Seit Juni 2015 setzt Gusti Leder Facebook-Videos ein, um mit Kunden in Kontakt zu treten. Zuvor hatte das Startup-Unternehmen ein eigenes Produktionsteam beschäftigt, das aus vier Leuten bestand und sich auf die Entwicklung neuer Produkte konzentrierte. Diese wurden anfangs in kleiner Stückzahl hergestellt, um das Verlustrisiko so minimal wie möglich zu halten. Der Nachteil: hohe Produktionskosten und wenig Flexibilität. „Viele unserer Produkte mussten wieder abgesetzt werden, weil sie unfertig waren“, so Pietsch. „So entschied ich, dass sich die ProduktmanagerInnen nur noch auf den Kontakt zu den Produzenten in Indien und Marokko konzentrieren sollten.“

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Keine neuen Produkte selbst herzustellen, war aber auch keine Lösung für Gusti Leder. So beschloss Pietsch, ein Sample Video Team zu gründen: „Der Zugang zur Community erschien mir als sehr wertvoll und die Ergebnisse überraschten mich überaus positiv. Besonders in den Nischen können wir nun viel ausgeklügeltere Produkte anbieten, da wir durch die Posts auf echte Experten stoßen, die wissen, was zum Beispiel eine gute Dampfertasche oder Fahrradtasche haben muss.” Gusti Leder kreiert dadurch Produkte, die von einer großen Community gestützt werden. Es wird einfacher, in größerer Stückzahl zu produzieren und Verlust sowie Kosten zu minimieren.

Der transparente und offene Kommunikationsstil stößt bei der Community ganz offensichtlich auf große Zustimmung. Gusti Leder vermeidet leere und belanglose Fragen und versucht stattdessen, die User direkt in Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen und gegenseitiges Vertrauen herzustellen. Gewinnspiele bieten zusätzliche Anreize für Kunden aktiv zu werden und sich bei den Abstimmungen zu engagieren. So lässt das Rostocker Startup selbst einige Großunternehmen in Sachen Facebook-Fanzahlen alt aussehen.

Leder als Streitfall und Gewissenssache

Leder ist in der heutigen Zeit ein Streitfall und eine Gewissenssache, besonders, da einzelne Lebens- und Ernährungsweisen, wie Vegetarismus und Veganismus, einen Hype erfahren. Die Entscheidung, trotzdem damit zu arbeiten, trifft Gusti Leder ganz bewusst und tritt offen und ehrlich mit Kunden in Diskurs: „Einen echten Shitstorm hatten wir bisher noch nicht zu verkraften“, so Pietsch. Mit der Tatsache, dass nicht alle User hinter den Materialien stehen, geht Gusti Leder offen um und löscht auch keine negativen Kommentare. Stattdessen versucht man auch mit enttäuschten Nutzern ins Gespräch zu kommen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Die Lederwaren von Gusti Leder nature sind vegetabel gegerbt. Das bedeutet: Wir verzichten auf Chrom und andere chemische Zusätze“, so Inhaber Christian Pietsch. Auch um faire Arbeitsbedingungen ist man bei Gusti Leder bemüht: „Ich fliege ein- bis zweimal im Jahr in die Herkunftsländer unserer Produkte und informiere mich über die Produktionsbedingungen.“ Um eine bessere Kontrolle zu gewährleisten, arbeitet Gusti Leder bevorzugt mit kleineren Betrieben zusammen, die aus weniger als fünfzehn Mitarbeitern bestehen. Natürlich ist sich auch Pietsch bewusst, dass man nie eine absolute Sicherheit bieten kann. Aber die transparente Art und Weise wie man bei Gusti Leder mit Kunden kommuniziert, macht es einfach, auch kontroverse Themen zur Sprache zu bringen.

Thumbnail und Bild oben rechts: Facebook-Fanpage von Gusti Leder
Screenshot: Facebook-Video vom 5.Februar mit Mitarbeiterin Luise Schröder

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