China / Online Marketing

Verrückt nach Android: Warum begeistern sich Chinas Teenager fürs mobile Internet?

Als im Juli neue Daten zur Internetnutzung publiziert wurden, waren selbst Experten überrascht: 388 Millionen Chinesen verwenden am liebsten ihr Handy, 380 Millionen einen PC.

Für den Boom beim mobilen Internet ist vor allem eine Bevölkerungsgruppe verantwortlich: Chinas Jugendliche. Unter ihnen ist der Anteil der mobilen Internetnutzer besonders hoch. Einer Untersuchung der Unternehmensberatung Labbrand bevorzugen die meisten chinesischen Jugendlichen Smartphones, da sie ihnen die Möglichkeit eröffnen „jeder Zeit erreichbar zu sein“. Eine weiteren Grund sieht Labbrand Chefstratege Kevin Gentle im Preis: Für viele Teenager seien Desktop Computer schlichtweg zu teuer.

Ältere User nutzen das Internet vor allem dazu, ihren gesellschaftlichen Status hervorzuheben, indem sie Luxusmarken auf Microblogs folgen und dort mit Kommentaren auf sich aufmerksam machen. Chinesischen Jugendlichen reicht das jedoch meist nicht aus: Ihnen gehe es zunehmend darum, „ihre persönlichen Geschichten zu erzählen“: Wo treffe ich mich am liebsten mit Freunden? Welche Fashion Labels mag ich am meisten? Was ist mein Lieblingssong im Internet?

Labbrand stützt sich bei seinen Erkenntnissen auf Vergleichsdaten von Forschungsinstituten, wie zum Beispiel Resonance China und China Internet Watch, und eine Online-Befragung unter Shanghaier Schülern. Die Shanghaier Agentur interviewte dazu Anfang September 100 Teenager im Alter zwischen 12 und 16 Jahren.

Was bedeutet der Boom beim mobilen Internet für Unternehmen?

Unternehmen müssen, so Gentle, Apps entwickeln, auf die Jugendliche besonders anspringen: Die Heterogenität der Unterzwanzigjährigen stellt Unternehmen dabei vor gewaltige Herausforderungen Konzerne sehen sich immer mehr gezwungen, anspruchsvolle Inhalte auf ihren corporate accounts zu plazieren und Partnerschaften mit Stars aus der Film- und Modebranche einzugehen. Gentle warnt jedoch: „Vielen Konzernen fehlt es nach wie vor an einer durchdachten Strategie, celebrities mit ins Boot zu holen“. Es reiche dabei nicht aus, Starfotos auf Plakate zu drucken und in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen und nennt dabei die China Merchants Bank mit Yao Ming als abschreckendes Beispiel.

Der Labbrand Chefstratege hält es für mindestens genauso wichtig, „normale“ Blogger mit einer großen Anzahl an Followern in die PR-Strategie einzubeziehen, denn diese hätten nicht selten einen größeren Einfluss auf Jugendliche als Stars. Bei der Auswahl sozialer Netzwerke müssten sich Unternehmen künftig flexibler zeigen und auch weniger stark frequentierte Portale wie Weixin oder Douban berücksichtigen: „Beinahe alle Befragten äußerten sich negativ über Sina Weibo.“ „Zu überfüllt“, „zu laut“ — so das einhellige Urteil.

Um Jugendliche für Marken zu begeistern, bedarf es größerer Anstrengungen von Unternehmerseite: Aufwendiger gestaltete Webseiten, ansprechende Apps, zusätzliche Social Media Kanäle und eine bessere Integration von einflussreichen Bloggern ins Marketingkonzept.

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